Baurechtliche Regulierung und Baugenehmigungen auf Mallorca – Leitfaden für Immobilienkäufer 2026
Der Immobilienkauf auf Mallorca ist 2026 untrennbar mit einem komplexen Geflecht aus rechtlichen Vorgaben, Baugesetzen und Genehmigungsverfahren verbunden. In den vergangenen Jahren wurden Umwelt-, Natur- und Küstenschutzregelungen kontinuierlich verschärft, während gleichzeitig die behördliche Kontrolle von Bestandsimmobilien deutlich zugenommen hat. Für Kaufinteressenten bedeutet das: Die bauliche Realität einer Immobilie stimmt nicht immer mit dem genehmigten Zustand überein – und rechtliche Risiken sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Besonders herausfordernd ist dabei die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der mallorquinischen Bausubstanz historisch gewachsen ist. Anbauten, Nutzungsänderungen, Pools, Terrassen oder Nebengebäude wurden in der Vergangenheit nicht immer ordnungsgemäß genehmigt oder nur teilweise dokumentiert. Was früher geduldet wurde, kann heute zu ernsthaften Problemen führen – etwa bei Sanierungen, Umbauten, Nutzungsänderungen oder im Wiederverkauf. Der Begriff „Bestandsschutz“ wird dabei häufig missverstanden und bietet längst nicht in jedem Fall rechtliche Sicherheit.
Für ausländische Immobilienkäufer kommen zusätzliche Hürden hinzu. Unterschiede zwischen spanischem Baurecht, kommunalen Bebauungsplänen und deutschen Erwartungen führen regelmäßig zu Fehlannahmen. Grundbucheintrag, Kataster, Baugenehmigung und tatsächlicher Bauzustand sind auf Mallorca eigenständige Prüfbereiche – und müssen zwingend separat bewertet werden. Ohne fachkundige Prüfung können Käufer unwissentlich erhebliche Haftungs-, Kosten- und Nutzungsrisiken übernehmen.
Dieser Leitfaden richtet sich an Immobilienkäufer, die 2026 rechtssicher, planbar und ohne spätere Überraschungen auf Mallorca investieren oder wohnen möchten. Er erläutert die wichtigsten rechtlichen Grundlagen, erklärt typische Genehmigungskonstellationen, zeigt Risiken auf und bietet eine strukturierte Orientierung, worauf Käufer vor Vertragsabschluss achten müssen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und fundierte Entscheidungen in einem zunehmend regulierten Immobilienmarkt zu ermöglichen.
1. Warum rechtliche Prüfung entscheidend ist
Mallorca ist eine Insel mit streng regulierten Bau- und Naturschutzgesetzen. Besonders in Küstenregionen, historischen Zonen oder ländlichen Gebieten (Suelo Rústico) gelten Einschränkungen für Neubauten, Umbauten und Erweiterungen. Eine gründliche rechtliche Prüfung vor dem Kauf schützt vor:
-
Illegalen Anbauten oder Pools
-
Problemen bei der Kurzzeitvermietung (ETV-Lizenz)
-
Bußgeldern und Nachbesserungen
-
Wertverlust der Immobilie
2. Grundbuch & Catastro
Auf Mallorca sind Grundbuch (Registro de la Propiedad) und Kataster (Catastro) zwei getrennte Register. Während das Grundbuch die rechtlichen Eigentumsverhältnisse dokumentiert, erfasst der Catastro die tatsächlichen Flächen, Gebäude und Nutzungen zu steuerlichen Zwecken. Abweichungen zwischen beiden Registern sind nicht ungewöhnlich und sollten vor einem Immobilienkauf sorgfältig geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
-
Registro de la Propiedad (Grundbuch): Beinhaltet alle Eigentumsrechte, Hypotheken, Servitute und Belastungen.
-
Catastro: Offizielle Flächen- und Steuerdaten, die für die Grundsteuer relevant sind.
-
Wichtig: Grundbuch und Catastro müssen übereinstimmen. Differenzen deuten auf potenzielle Probleme hin.
3. Zoneneinteilungen und Baurecht auf Mallorca
Das Baurecht auf Mallorca richtet sich maßgeblich nach der jeweiligen Zoneneinteilung. Unterschieden wird unter anderem zwischen städtischem Gebiet, bebaubarem Land und ländlichen Schutz- und Agrarflächen. Je nach Zone variieren die zulässige Bebauung, Nutzungsart und Erweiterungsmöglichkeiten erheblich. Eine genaue Prüfung der Zoneneinstufung ist daher vor Kauf, Neubau oder Umbau unerlässlich.
-
Suelo Urbano (städtisches Bauland): Voll erschlossene Baugebiete, meist in Städten oder Gemeinden. Neubau und Umbauten einfacher.
-
Suelo Urbanizable (erschließbares Bauland): Flächen mit geplantem Baupotenzial, oft noch nicht vollständig erschlossen. Genehmigungen erforderlich.
-
Suelo Rústico (ländliches Gebiet): Streng reguliert, Neubauten meist nur für landwirtschaftliche oder touristische Nutzung erlaubt. Umbauten erfordern oft spezielle Genehmigungen.
4. Baugenehmigungen
Für nahezu alle Bau-, Umbau- und Sanierungsmaßnahmen auf Mallorca ist eine behördliche Baugenehmigung (licencia de obra) erforderlich. Zuständig ist in der Regel das jeweilige Rathaus (Ajuntament). Unterschieden wird zwischen kleinen Maßnahmen (obra menor) und größeren Bauvorhaben (obra mayor). Zusätzlich gelten je nach Lage strenge Vorgaben des Bau- und Landschaftsschutzes, insbesondere in ländlichen Gebieten und Küstennähe. Ohne gültige Genehmigung drohen hohe Geldstrafen, Baustopps oder Rückbauverfügungen.
-
Neue Bauten: Genehmigungen durch lokale Gemeinde erforderlich, inklusive Baupläne, Statik, technische Gutachten.
-
Umbauten & Renovierungen: Abhängig von der Zone müssen Anträge bei der Stadtverwaltung gestellt werden.
-
Pools und Terrassen: Auch hier Genehmigung erforderlich, vor allem in Küstennähe oder bei Suelo Rústico.
-
Verstöße: Nicht genehmigte Bauten können Rückbau, Bußgelder und Wertverlust nach sich ziehen.

5. ETV-Lizenz & Ferienvermietung auf Mallorca
Die Ferienvermietung von Immobilien auf Mallorca ist ausschließlich mit einer gültigen ETV-Lizenz zulässig. Diese behördliche Genehmigung legt fest, ob eine Immobilie touristisch vermietet werden darf. Die Anzahl der Lizenzen ist begrenzt und hängt unter anderem von Lage, Immobilientyp und den jeweils geltenden Vorschriften ab. Eine Vermietung ohne ETV-Lizenz ist unzulässig und kann zu erheblichen Geldstrafen führen.
Die Estancia Turística de Vivienda (ETV)-Lizenz ist zwingend, um Immobilien für Kurzzeitvermietung zu nutzen. Voraussetzungen:
-
Immobilie muss legal sein, alle Baugenehmigungen vorhanden
-
Mindeststandards bei Sicherheit, Ausstattung und Hygiene
-
Registrierung bei der Balearen-Behörde
Ohne Lizenz drohen hohe Bußgelder (bis zu 40.000 € pro Objekt).
6. Technische Due Diligence
Die technische Due Diligence auf Mallorca prüft den baulichen und technischen Zustand einer Immobilie unter Berücksichtigung lokaler Bauvorschriften und klimatischer Einflüsse. Bewertet werden unter anderem Bausubstanz, Gebäudetechnik, Instandhaltungszustand sowie mögliche Mängel und Risiken. Ziel ist es, den tatsächlichen Zustand transparent darzustellen und potenzielle Kosten oder Sanierungsbedarfe frühzeitig zu erkennen. Vor dem Kauf einer Immobilie sollten Käufer eine technische Due Diligence durchführen lassen:
-
Statik, Dach, Wände, Böden
-
Elektrik, Wasser, Heizung, Abwasser
-
Pools, Terrassen, Außenanlagen
Dies schützt vor unerwarteten Renovierungskosten und rechtlichen Problemen.
7. Tipps für Immobilienkäufer auf Mallorca
-
Rechtsanwalt (Abogado) beauftragen: Prüft Kaufvertrag, Eigentumsrechte, Hypotheken, Genehmigungen.
-
Baugenehmigungen einsehen: Besonders bei älteren Fincas oder Villen prüfen.
-
Zonenklassifikation verstehen: Suelo Rústico vs. Urbano beeinflusst Baurechte und Wert.
-
ETV-Lizenz prüfen: Vor allem bei Ferienvermietungsobjekten.
-
Technische und bauliche Prüfung: Architekten, Ingenieure und/oder Bausachverständige einbeziehen.
8. Besonderheiten bei Fincas und Altbauten
Fincas und Altbauten auf Mallorca unterliegen besonderen baurechtlichen Vorgaben. Viele Gebäude wurden vor Einführung heutiger Bauvorschriften errichtet und verfügen nicht immer über eine vollständige Genehmigungslage. In ländlichen Gebieten gelten strenge Regelungen zu Nutzungsänderungen, Erweiterungen und Modernisierungen. Vor Kauf oder Umbau ist eine sorgfältige Prüfung der Legalität, Bestandsrechte (fuera de ordenación) und möglichen Einschränkungen unerlässlich.
-
Viele historische Fincas haben nicht genehmigte Anbauten oder Umbauten.
-
Sanierungen oder Modernisierungen erfordern oft erneute Genehmigungen.
-
Käufer sollten immer auf Übereinstimmung von Grundbuch, Catastro und Baugenehmigungen achten, um spätere rechtliche Konflikte zu vermeiden.
9. Fazit zu baurechtlichen Regulierung und Genehmigungen auf Mallorca
Rechtliche Regulierung und Baugenehmigungen sind zentrale Faktoren beim Immobilienkauf auf Mallorca. Wer diese Aspekte ernst nimmt, schützt sich vor rechtlichen Problemen, Bußgeldern und Wertverlusten. Eine professionelle rechtliche und technische Due Diligence ist unerlässlich, insbesondere bei Fincas, Altbauten und Ferienimmobilien. Mit gründlicher Vorbereitung und Beratung sichern sich Käufer auf Mallorca eine rechtlich saubere und langfristig wertbeständige Immobilie.








































